Wie läuft die duale Berufsausbildung in Bolivien ab?

Seit über 20 Jahren gibt es bereits die duale Berufsausbildung in Bolivien, die auf der Zusammenarbeit zwischen der Deutsch-Bolivianischen Industrie- und Handelskammer (AHK), der Deutschen Schule “Mariscal Braun” La Paz und dem jeweiligen Unternehmen basiert.

Innerhalb von nur 22 Monaten (von Februar bis November des folgenden Jahres) können Sie die Auszubildenden, auch Azubis genannt, entweder zum/-r Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel, oder zum/-r Industriekaufmann/-frau ausbilden. Welchen Ausbildungsberuf Sie anbieten möchten, hängt davon ab, in welcher Branche ihr Unternehmen tätig ist.

Sie leisten durch das Angebot der dualen Ausbildung nicht nur einen wichtigen gesellschaftlichen und ökonomischen Beitrag zur Stärkung/Förderung der Fachkräfteentwicklung Boliviens. Sie gewinnen darüber hinaus für ihr Unternehmen durch das Angebot der dualen Berufsausbildung eine/n junge/n Mitarbeiter/in, der/die Sie motiviert unterstützt und durch eine fundierte maßgeschneiderte theoretische und praktische Ausbildung zu einem/r Qualitätsgaranten/-in wird.

  

Im abwechselnden Blockunterricht (Zeitraum 4-6 Wochen) erlernen die Auszubildenden in Vollzeit zum einen die grundlegende Theorie im Berufsbildungszentrum (BBZ) der Deutschen Schule – unterrichtet von nationalen und internationalen Lehrkräften - zum anderen die praktische Ausbildung direkt im Unternehmen. Dabei durchlaufen sie verschiedene Abteilungen des Unternehmens und übernehmen eigene Aufgaben und Verantwortung. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit herauszufinden, welcher Unternehmensbereich sie interessiert oder welches Fachgebiet sie vertiefen möchten. Außerdem kennen die Auszubildenden anschließend das Unternehmen besser als eine externe Fachkraft.

In jedem Unternehmen werden die Auszubildenden von einem speziell ausgebildeten Tutor betreut. Dieser schaut, dass die mithilfe der AHK entwickelten Rotationspläne eingehalten werden und die Auszubildenden somit ihre Lernziele erreichen. Dieser Rotationsplan begleitet die Ausbildung und stellt sicher, dass die Auszubildenden in verschiedenen Abteilungen mit gezielten Aufgaben vertraut gemacht werden und somit sicher gestellt wird, dass sie zu einer qualifizierten Fachkraft ausgebildet werden. Der Tutor unterstützt den/die Auszubildende/n und steht bei Fragen und Herausforderungen zur Verfügung.

Der Tutor ist eine sehr wichtige Person sowohl für den Auszubildenden und seine persönliche und berufliche Zukunft als auch für den Erfolg des Unternehmens. Die Deutsch-Bolivianische Industrie- und Handelskammer ist sich über die Wichtigkeit des Tutors bewusst und unterstützt diese deswegen ständig mit Informationen, Beratung und speziellen Veranstaltungen, u.a. Weiterbildungen. 

Die Rolle des Tutors:

  • Beaufsichtigen, kontrollieren, auswerten und beraten während der Ausbildung
  • Die verantwortlichen Personen in jeder Abteilungen bestimmen (handelt auch an Stelle des Abteilungsleiters)
  • Die Einhaltung der internen Regelungen kontrollieren
  • Die Aufenthaltsdauer in den verschiedenen Abteilungen, die durchlaufen werden, festlegen
  • Den Rotationsplan aufstellen (die Einhaltung überwachen)
  • Die Berichte (der theoretischen und praktischen Blöcke)durchsehen und unterschreiben.
  • Die Reihenfolge und die Aufenthaltsdauer des Auszubildenden auswerten und schauen, ob diese die vorgeschriebenen Ziele erreichen
  • Den Auszubildenden nach jedem Block bewerten
  • Gespräch mit jedem Abteilungsleiter, da dieser der direkte Ansprechpartner im praktischen Ausbildungsblock ist.
  • Die Auszubildenden über den Inhalt der Aufgaben und Tätigkeiten, wie im Rotationsplan beschrieben, unterrichten.

Dank dieser ganzen Faktoren haben die Tutoren und Ausbilder die Möglichkeit sich beständig weiterzubilden.

Verschiedene Rückmeldungen haben bestätigt, dass es eine tolle Erfahrung ist, einen jungen Menschen während seiner sowohl beruflichen als auch persönlichen Entwicklung zu begleiten und zu unterstützten.

"Ich bin Tutorin der dualen Berufsausbildung!
Ich fühle mich sehr wohl, wenn ich Auszubildende des dualen Ausbildungsprogramms als Tutorin unterstützen darf. Ich genieße jeden einzelnen Schritt angefangen beim Auswahlprozess der Studenten, wo ich diese persönlich kennenlernen kann, die Vorbereitung des Rotationplans, die Organisation und Koordinierung der praktischen Einheiten zusammen mit den Zuständigen der einzelnen Bereiche bis hin zu dem Tag der Abschlussfeier. Es ist spannend ihre persönliche und berufliche Entwicklung zu sehen. Zudem ist es ein Privileg ein Zeuge der bemerkenswerten Veränderungen des Azubis zu sein, der vor dem ersten Vorstellungsgespräch sehr nervös ist und noch nicht genau weiß, was er will und abschließend der fertig ausgebildete junge Mensch, der das Unternehmen verlässt; bereit für die neuen Herausforderungen des Berufslebens.
Azubis kommen nicht nur in die Unternehmen um zu lernen, sondern auch um etwas zum lehren. Wir lernen, oder erinnern uns, dass man auch Risiken eingehen muss, dass man Gefühle ohne Angst ausdrücken sollte, spontan sein muss, wie auch neugierig und hartnäckig auf der Suche für Antworten zu sein, immer nach vorne zu gucken und nie unsere Träume und Pläne aus den Augen zu verlieren. Das und vieles mehr machen eine Person, die Tutor eines Azubis wird, danach auch zu einem besseren Menschen.
Alle Azubis, mit denen ich im Laufe der Jahre arbeiten konnte, haben ein besonderen Platz in meinem Herzen und in meiner Erinnerung. Es gibt nichts schöneres, als sie nach einiger Zeit wieder zu treffen und zu sehen, wie weit sie gekommen sind; zu wissen, dass jeder einzelne Tutor einen kleinen Anteil dazu beigetragen hat, dass dieser Student seine persönliche und berufliche Entfaltung schaffen konnte.“


Mary Lily Poepsel B.
27.08.2015

Der Rotationsplan sichert, dass die Auszubildenden zu qualifizierten Experten ausgebildet werden. Der Tutor unterstützt die Auszubildenden und hilft bei Fragen und jeglichen neuen Herausforderungen

Der Rotationsplan (Ausbildungsplan) sichert, dass die Auszubildenden zu qualifizierten Experten ausgebildet werden. Zudem ist er ein Instrument, dass die betriebliche Ausbildung zeitlich und sachlich gliedert.

  • Der Rotationsplan beschreibt den Wechsel zwischen den Abteilungen und zeigt auf, welche Aufgaben Bestandteil sein können.
  • Er sichert die betriebliche Ausbildung in jeder Abteilung.
  • Er macht auf den Zusammenhang und die Verbindung der Abteilungen aufmerksam
  • Er ist eine personalpolitische Maßnahme, um auf Veränderungen flexibel eingehen zu können.
  • Der Rotationsplan wird in die unternehmerischen Aktivitäten integriert.

Zusätzlich zum Spanischen, erwerben die Auszubildenden bis zum Ende der Ausbildung interkulturelle Kompetenzen und ein verhandlungssicheres Sprachniveau in Englisch und Deutsch. Damit werden sie nicht nur ausgezeichnete Berufschancen in Bolivien, sondern beispielsweise auch in Deutschland haben. Außerdem können sie darüber hinaus auch die deutsche Fachhochschulreife erwerben, die unter anderem ein anschließendes Studium in Bolivien, Argentinien oder Deutschland ermöglicht.

Obendrein können die Auszubildenden auch ein Stipendium wegen Fleiß und guter Noten, wenn alle Anforderungen (Abgaben, etc.) fristgerecht eingereicht werden, erwerben.

Wenn ein Auszubildender zu den besten drei deines Abschlussjahrgangs gehört, steht ihm die Möglichkeit eines Praktikums bei BBraun in Deutschland offen. Dabei wird ihm im Anschluss seiner Ausbildung der Flug nach Deutschland gezahlt, er macht dort ein bezahltes Praktikum bei BBraun und wird Arbeitserfahrung und spannende Eindrücke sammeln.

Mit der dualen Berufsausbildung in Bolivien stehen den Auszubildenden also die Türen einer internationalen Berufskarriere offen!

Ihr Ansprechpartner

Martin Alvarado
Duale Berufsausbildung

Tel.: +591-2-2795151
Fax: +591-2-2790477
ma(at)ahkbol.com

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